Marotten

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Ich habe erfolgreich meine Social-Media- und YouTube-Sucht bekämpfen können. Und auch meine Dating-Sucht. Und ich sage es mal so: It was a hell of a ride. Doch dann bekam ich eine Lebensmittelvergiftung.

Für alle, die eine Lebensmittelvergiftung nicht kennen: Sie raubt euch jede Kraft. Und ich war bezüglich meines Kampfes gegenüber meinen Süchten noch nicht ganz am Ende. So kam es, dass ich während der ersten 24 Stunden meiner Lebensmittelvergiftung, da noch ohne Internetzugang (dazu später mehr), einfach so vor mich hin überlebte und ab und zu sterben wollte. Und das liegt an diesem Zustand, nicht mal Wasser trinken zu wollen, weil es eh nicht drin bleibt, aber gleichzeitig nichts mehr als Wasser zu brauchen, weil eine innere Wüste Gobi herrscht, bei der sich alle Nerven zusammenziehen und Schmerzen senden.

Einen Tag später ging es mir besser, aber es kam der mobile Router von Vodafone an. Wir hatten zu Hause kein Internet. Bis jetzt. Internet war an, aber ich fühlte mich noch sehr elend und hatte nicht mal die Kraft für ein Buch und wollte mich nur berieseln lassen. Ich verfiel meinen alten Marotten. Nicht meiner Dating-Sucht, nein, meiner YouTube-Sucht. Ich schaute Gaming-Videos bis in die Puppen (6 Uhr morgens) und fühlte mich wie ein elendes Stück Scheiße. Und über dieses Gefühl möchte ich schreiben. Warum fühle ich mich denn wie ein Stück Scheiße, wenn ich mir den größten Müll auf YouTube gebe?

Naja, zum einen ist es eine Dopamin-Sucht und ich bin mir im vollen Klaren darüber. Also mein Bewusstsein lässt mich schlecht fühlen, berechtigt. Und ich fühle mich auch schlecht, weil ich der Meinung bin, dass ich ein Mensch bin, der hier auf dieser Erde ist und der Menschheit helfen will. Aber kann ich das, wenn ich verstrahlt in einem Dopamin-Kater bin und mein nächstes Trash-Video brauche und ich immer mehr verdumme? Eher weniger. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ein schlechtes Gewissen gegenüber mir und den Menschen, denen ich helfen könnte. Ob es durch mein Lächeln ist, meine Ausstrahlung oder wirklich indirekt somehow durch meine Arbeit, egal wie. Deswegen habe ich mich auch dieser YouTube-Sucht gestellt. Aber es ist nicht einfach. Ich bin constantly in Kontakt mit meinem eigenen Schmerz and I am telling you: It ain’t easy. It’s tough, it’s fucking tough. Ich kann verstehen, warum Leute keinen Bock darauf haben.

Als ich das ein oder andere Mal in meiner Sucht doch noch auf etwas Interessantes gestoßen bin, wie z. B.: ein Video über Arsène Wenger. In diesem Video wird seine Vita beschrieben. Und nach seiner Trainerlaufbahn bei AS Monaco, drei Jahre vor Arsenal, ging er nach Japan. Ein Jahr lang, ganz alleine. Warum? Er wollte wissen, wie es ist, ganz alleine zu sein. Er hat sich Japan ausgewählt, weil dieses Land so schrecklich anonym ist. Und ich glaube, ich habe ihn verstanden. Genau das Gleiche mache ich auch. In Berlin. In dieser elendigschönen anonymen Hauptstadt.

Kompletter Detox: Keine Süchte, keine Frauen, keine Drogen, keine Ablenkung… der absolute Kontakt mit meinen Gefühlen. Was damit einhergeht? Schmerz und Ruhe. Ja, beides. Mein Leben ist zwar nicht mehr betäubt, aber es tut weh. Aber ich bin mit mir im Reinen. Es lohnt sich, aber es ist tough. Das Leben kommt raw, die Schicksalsschläge kommen nicht in Watte gepackt, eher wie ein Pflasterstein mit Schlaufe. Aber ich glaube, der Umgang mit solchen Situationen in einer völligen Nüchternheit ist der gesündere Weg. Aber ich verurteile niemanden, der es nicht so macht. Denn ich stecke nicht in dieser Person und weiß nicht, warum er das tut, was er tut und was er empfinden würde, wenn er es nicht tun würde.

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