Der Steinofen

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Wir haben den Laden komplett ausgeräumt. Das wichtigste ist der Ofen. Ein neuer muss rein. Der alte Steinofen wurde zu heiß und ist gerissen. Der war noch vom Vorgänger.

Und jetzt müssen wir Mauern. Einige Wände haben wir schon fertig gemacht und stellen sie auf. Der Boden ist auch schon da, wo die Holzscheite raufkommt. Und jetzt das wichtigste: die Kuppel. Arafat und ich nehmen sie zu zweit. Die anderen gucken zu.

Aus dem LKW tragen wir sie langsam in den Laden. Da wir kräftig sind, müssen wir nur einmal absetzen. Dachten wir. Kurz vorm Ziel werden Arafats Hände schwach. Keiner der Idioten um uns herum denkt mit und stehen nur blöd da. Ich kenne Arafat nicht lange, aber wenn jetzt etwas passiert, rastet er aus. Dafür ist er in unserem Viertel berüchtigt.

Auch mir dauert es zu lange und ich sage, dass sie eine verfickte Stütze holen sollen. In dem Moment rutscht Arafat die Kuppel aus den Händen und kracht auf dem Boden. Alle haben Angst. Denn sie wissen genau, was jetzt passiert. “The stage is yours” würde jetzt Uri Geller sagen. Nur, dass das jetzt hier nicht so magisch ist, sondern total gefährlich. Arafat fängt an zu schreien und boxt gegen die Wand. Safe gebrochen die Hand, dachte ich mir. Arafat ist wild und es muss ein Schuldiger her. Er nimmt sich einen seiner Leute und seine Bodyguards verstehen direkt und schlagen wie wild auf ihn ein. Der erste Schlag ist direkt so kräftig, dass die Nase platzt und überall Blut ist. Aber bei einem Schlag bleibt es nicht und der zweite ist so brutal, dass ich direkt sehe wie der Knorpel seiner Nase auf die linke Seite seines Gesichts rutscht. Ich wusste, dass Arafat Leute brutal sind, aber so? Ich kriege Todesangst. Denn das hätte genauso gut ich sein können. Ich aber habe wahrscheinlich Welpenschutz und hier wird gerade ein Exempel statuiert. Arafats Mann liegt nun auf dem Boden und die Bodyguards fangen an auf seinem Kopf und und Körper einzutreten. Der wird sterben denke ich mir. Mir wird übel und ich verlasse den Laden. Automatisch gehe ich zu meinem Auto, nehme alle Sachen, die Arafat gehören und übergebe sie ihm.

Arafat ist wieder ruhig und fast warmherzig und überprüft mich mit seinen Augen. Der Wahnsinn ist aus ihm raus und hinein in den Körper eines seiner Männer. Ich habe Angst, dass ich nicht gehen kann und gleich sterbe bzw. genauso verprügelt werde. Er lässt mich aber, nimmt die Sachen an und versteht. Er lässt mich gehen und ich kann leben.

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